g e S u N D H e I t S P O l I t I K Die NeST-Zentrale Hamburg Was leistet die NeST-Zentrale? • zentrale erfassung der Neugeborenen-Hörscreening- ergebnisse • aktive Nachverfolgung auffälliger befunde • Qualitätssicherung und transparenz im Versorgungsprozess Warum ist das wichtig? • Vermeidung, dass Kinder nach einem auffälligen befund nicht weiter betreut werden • Nutzung entscheidender zeitfenster • Frühzeitige therapie und Förderung • Stärkung von Kinderschutz, teilhabe und entwicklung Was bedeutet das für die Praxis? • entlastung bei Organisation und Qualitätssicherung • Klare abläufe und ansprechpartner • unterstützung bei Schulung und Implementierung • Nutzung digitaler meldewege Für verlässliche Entwicklungschancen für alle Kinder! Die NeST-Zentrale engagiert sich, alle Hamburger Geburtsklini- ken und Untersuchungsstellen für eine Beteiligung am flächen- deckenden Neugeborenen-Hörscreening und am Meldewesen zu gewinnen. Machen Sie mit! Sie möchten Kontakt zur NeST-Zentrale aufnehmen oder an einer Schulung teilnehmen? Die Anlaufstelle ist angesiedelt beim Bezirksamt Hamburg-Nord, Fachamt Gesundheit, E-Mail: nest-zentrale@hamburg-nord.hamburg.de, Tel. 040 428 04-28 12. Weitere Informationen zur NeST-Zentrale finden Sie auf der Homepage der Stadt Hamburg unter: https://t1p.de/4ah1h. Schwerhörigkeit angeboten werden, auch bei isolierter, geringgradi- ger oder unilateraler Hörstörung. Der therapeutische Nutzen antivi- raler Therapie ist nach der Studienlage insbesondere an einen frühen Behandlungsbeginn gebunden (13). Die Umsetzung dieses Vorgehens erfordert eine enge Verzahnung von Neugeborenen-Hörscreening, virologischer Diagnostik und päd- audiologischer Abklärung. In der Versorgungsrealität stellt insbeson- dere die zeitgerechte Testung aller Kinder mit auffälligem Screening sowie die kurzfristige fachärztliche Diagnostik eine organisatorische Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund kommt der frühzeiti- gen, strukturierten Abklärung bereits im Rahmen des geburtsbeding- ten Klinikaufenthalts besondere Bedeutung zu. therapie und Kinderschutzprävention Wird eine angeborene Hörstörung festgestellt, ist die frühzeitige Ein- leitung bedarfsgerechter Therapie- und Fördermaßnahmen entschei- dend. Dazu gehört meist die Versorgung mit Hörgeräten spätestens im 6. Lebensmonat sowie sonderpädagogische Beratung und Früh- förderung (Sprachanbahnung in Laut- und/oder Gebärdensprache). In bestimmten Fällen sind operative Verfahren wie eine Versorgung mit Cochlea-Implantat(en) indiziert. Unbehandelte oder spät erkannte Hör- und Sprachstörungen erhöhen die Vulnerabilität von Kindern, da ohne rechtzeitige Diagnostik und gezielte Frühförderung die Entwick- lung ihrer kommunikativen Kompetenz, die Grundlage für Selbstwirk- samkeit und soziale Sicherheit, beeinträchtigt wird (15, 16). Das Neu- geborenen-Hörscreening – in Verbindung mit strukturiertem Tracking – ist ein Baustein moderner Kinderschutzprävention. Interdisziplinäre zusammenarbeit und Schulungen Für Hamburger Geburtskliniken, HNO-, pädaudiologische und kin- derärztliche Praxen bedeutet die Zusammenarbeit mit der NeST- Zentrale eine spürbare Entlastung im Versorgungsalltag. Die zen- trale Erfassung, Auswertung und Nachverfolgung der Ergebnisse unterstützt eine qualitätsgesicherte Versorgung und erleichtert die Einhaltung gesetzlicher, fachlicher und wissenschaftlicher Standards. Die NeST-Zentrale unterstützt Einrichtungen bei der technischen und organisatorischen Anbindung, begleitet die Implementierung und steht für fachliche Fragen zur Verfügung. Ein gemeinsames Verständnis von Abläufen, Zeitfenstern und Zuständigkeiten ist für Screening, Diagnostik, Tracking und Förderung unerlässlich. Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit dem Verband Deut- scher Hörscreening-Zentralen (VDHZ) in der NeST-Zentrale ein strukturiertes Online-Schulungskonzept entwickelt und pilotiert. Es verbindet wissenschaftliche Evidenz mit praxisnahen Entscheidungs- wegen, berücksichtigt medizinische, pädaudiologische und sozialme- dizinische Aspekte und stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Schulung ist ab sofort verfügbar und kann flexibel sowie unab- hängig von festen Terminen nach Rücksprache mit der NeST-Zentra- le besucht werden. Sie trägt dazu bei, Handlungssicherheit zu erhö- hen und die Qualität der Versorgung nachhaltig zu sichern. Schlussbemerkung Neugeborenen-Hörscreening ist heute weit mehr als Früherkennung. Es ist Entwicklungsmedizin, Prävention und Kinderschutz zugleich. Seine Wirksamkeit entfaltet es nur dort, wo Hörscreening, Tracking, Diagnostik, Förderung, Gesundheitsbildung und Unterstützung strukturell miteinander verbunden sind. Gerade in einem komple- xen Versorgungssystem zeigt sich Qualität nicht nur in einzelnen Maßnahmen, sondern in der Verlässlichkeit der gesamten Kette. Die NeST-Zentrale steht für diesen Anspruch – als verbindendes Element einer gemeinsamen Verantwortung für frühe Entwicklung. Ihre Etablierung wird ermöglicht durch die Förderung im Rahmen des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst sowie die enge Zu- sammenarbeit mit Partnern in der Patientenversorgung. Literaturverzeichnis im Internet unter http://haeb.aekhh.de Prof. Dr. Anna-Katharina Rohlfs Landesärztin für Hörbehinderte, Hamburg Fachliche Leitung der NeST-Zentrale Beratungszentrum Sehen I Hören I Bewegen I Sprechen Fachamt Gesundheit, Bezirksamt Hamburg-Nord Leitung Sektion Phoniatrie/Pädaudiologie HNO-Klinik, Kopf-Hals-Chirurgie Universitätsklinikum Ulm E-Mail: anna-katharina.rohlfs@uniklinik-ulm.de Ein besonderer Dank gilt allen beteiligten Einrichtungen sowie insbesondere O. Blankenstein, K. Bollongino, I. Brockow, C. Brase, M. Carstensen, H. Drews, J. Eitner, K. Ernst, K. Fegebank, T. Flügel, C. Garvs, C. Gerloff, G. Gramer, Y. Hei- nemann, K. Hecher, M. Hess, M. Höck, B. Hollwitz, C. Haupt, E. Huster-Nowack, N. Kurt, T. Kurzweg, P. Kummer, R. Laux, M. Leonhard, A. Lesinski-Schiedat, S. Meier, A. C. Muntau, A. Münscher, A. Neelsen-Sauer, K. Neumann, J. Nienstedt, Y. Nische, A. Ottenberg, U. Petersen-Siebert, C. Pflug, G. Pörksen, M. Praetorius, L. M. Peschel-Gutzeit†, K. Roth, I. Roth, R. Santer, M. Schell, M. Schlotzhauer, R. Schönweiler, D. Singer, J. Thiele, A. Wittmann-John und T. Wiesner für die kontinuierliche Unterstützung 30 H a m b u r g e r Ä r z t e b l a t t 0 4 | 2 0 2 6